Familienstellen

Den typischen Ablauf und die Gefahren schildert das persönliche Zeugnis einer Teilnehmerin.

Wie Familienstellen funktionieren soll

(zitiert aus dem Buch "Gefährliche Stille"):

"Die Aufstellungen werden immer in einer größeren Gruppe durchgeführt, wobei die meisten nur Zuschauer sind. Einer aus der Gruppe schildert zunächst in wenigen Sätzen sein Problem. Anschließend wählt er aus dem Publikum sogenannte »Stellvertreter« für seine Familienangehörigen und auch für sich selbst aus und stellt sie auf. Das können im Prinzip auch Personen sein, die nicht mehr leben. Anschließend rückt der Therapeut die Stellvertreter in verschiedene Positionen und fragt sie nach ihren Gefühlen. Nach Hellingers Lehre soll dabei ein »wissendes Feld« entstehen, in dem die Stellvertreter angeblich genauso empfinden wie die echten Familienmitglieder. Auf diese Weise bringt der Therapeut angeblich schuldhafte Verstrickungen in der Familie ans Licht wie Adoption, Abtreibung, Selbstmorde, eheliche Untreue, Scheidung, Missbrauch, Bevorzugung des jüngeren Sohnes vor dem älteren, was der Ursprungsordnung widerspricht. 99 Solche autoritär-patriarchale Ordnungsideen durchziehen das ganze System. So kommt es etwa vor, dass eine Frau sich vor dem Stellvertreter ihres Vaters, der sie als Kind missbraucht hat, niederknien und ihm mit einem »Danke, Papa« ihre Ergebenheit ver-sichern soll. Folgendes Beispiel aus einer Reportage über Hellingers Familien-aufstellung in »Zeit online« zeigt auf, dass die Nebenwirkungen dieser abstrusen Mischung aus esoterischem Rollenspiel und reaktionär-autoritärer Ideologie ein erschreckendes Ausmaß annehmen können: »Ein getrennt lebendes Paar möchte klären, bei wem von ihnen die vier Kinder besser aufgehoben sind. Der Mann stellt sich auf, seine Frau ist mit auf der Bühne. Hellinger schaut sich die Aufstellung an und deutet auf den Mann: ›Dort sitzt die Liebe!‹, und zur Frau gewandt: ›Und hier sitzt das kalte Herz!‹ Zum Publikum sagt er: ›Die Kinder sind bei der Frau nicht sicher. Sie gehören zum Mann.‹ Und dann: ›Die Frau geht. Die kann keiner mehr aufhalten. Das kann auch Sterben bedeuten.‹ Wortlos verlässt die Klientin den Saal. Für die Zeit nach dem Seminar hatte die junge Ärztin bereits einen Umzug geplant und sich für medizinische Weiterbildungskurse angemeldet. Einen Tag nach der Aufstellung mit Bert Hellinger nimmt sie sich das Leben. In ihrem Abschiedsbrief an die Familie schreibt sie: ›Vielleicht gibt es Menschen, die so viel Schuld auf sich laden, dass sie kein Recht mehr haben zu leben. Und wenn es für die Kinder die Ordnung herstellt, will ich meinen Teil dazu tun, auch wenn es nicht das ist, was ich mir wünsche.‹ 100

Nach alledem bleibt die Frage, was wohl an dieser Methode »christlich« sein soll. Hellinger weilte als katholischer Missionar in Südafrika und wurde dort offensichtlich von dem animistischen Geister- und Ahnenkult der Zulus stark beeinflusst. Die Zulus sehen als Ursache von Unheil und Krankheit Verhexung, Verfluchung, Einflüsse von bösen Geistern und das »Gramsein« der Ahnen an, die man nicht genügend gewürdigt und denen man nicht genügend geopfert hat. Das Wort »würdigen« ist so etwas wie ein Schlüsselbegriff in der Lehre Hellingers. Von einer Frau, die von ihrem Vater in ihrer Kindheit aufs Grausamste misshandelt und gedemütigt worden war, wurde in einer Aufstellung verlangt, Folgendes zu sagen: »Papa! Lieber Papa, ich brauche dich so nötig! Lieber Papa, ich habe dich so lieb! Lieber Papa, meine Sehnsucht nach dir ist ganz groß, so wie die ganze Welt! Danke, lieber Papa, danke für deine Liebe!« Die Lehre und Methode Hellingers ist im Grunde eine Mischung aus Erkenntnissen der Systemischen Familientherapie, rationalistischer Theologie, humanistischer Psychologie und faschistoidem, vom Schamanismus geprägtem Denken. Zudem hat sein Erklärungssystem viel gemeinsam mit der unbiblischen Lehre, dass Christen unter dämonischen Bannwirkungen stehen können, weil ein Vorfahre sich durch Okkultbetätigung schuldig gemacht hat.102 Im charismatischen Umfeld ist es Derek Prince, der mit seinen Veröffentlichungen die Angst vor den Auswirkungen einer Verfluchung weckte.103 Hier wird animistischer Aberglaube mit einem biblischen Mäntelchen versehen."

Quellenverzeichnis:

99 Hellinger schreibt: »Das Sein wird durch die Zeit definiert und bekommt seinen Rang durch die Zeit. Es wird strukturiert durch die Zeit. Wer zuerst in einem System da war, hat Vorrang vor dem, der später kommt.« Bert Hellinger, Ordnungen der Liebe,Heidelberg, 1995, S. 44.

100 Artikel aus »Zeit online«: http://www.zeit.de/2003/35/Hellinger-Haupttext?page=all.

101 Elisabeth Reuter, Gehirn-Wäsche. Macht und Willkür in der »systemischen Psychotherapie« nach Bert Hellinger, Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag, Berlin, S. 132.

102 Auf diese Irrlehre, bei der man sich auf  2. Mose 20,5b-6 beruft, gehe ich ausführlicher ein in: Roland Antholzer, Mächte der Bosheit. Okkultbedrohung und Seelsorge, Schwengeler Verlag, Berneck, 1998, S. 76ff.

103 Derek Prince, Flüche – Ursachen und Überwindung, Internationaler Bibellehrdienst, Trostberg, 2004. Ders.: Segen oder Fluch – Sie haben die Wahl, 2003

Maleachi-Kreis (Hrsg.): Gefährliche Stille - Wie die Mystik die Evangelikalen erobern will, 3. Aufl. 2013, S.  111 (clv-Buch, als Download verfügbar)

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