Bert Hellinger

Bert Hellinger (bürgerlich Anton Hellinger; geboren am 16. Dezember 1925 in Leimen; gestorben am 19. September 2019) war ein deutscher Buchautor, Psychoanalytiker und Familientherapeut.

1952 zum katholischen Priester geweiht, war er viele Jahre lang Leiter einer südafrikanischen Missionsschule. Seit den späten 1970er Jahren entwickelte er, unter Abwandlung von Methoden der systemischen Familientherapie, mit seiner Form der Familienaufstellung eine von ihm selbst als Lebenshilfemethode bezeichnete Gruppenarbeit.

Bei der Aufstellungsmethode nach Hellinger handelt es sich nicht um ein eigenständiges Verfahren der Psychotherapie. Hellingers zugrunde liegendes Konzept und sein Umgang mit Klienten sind stark umstritten.

Leben und Ausbildung

Anton Hellinger wuchs in der späten Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus in Köln auf und studierte Philosophie, Katholische Theologie und Pädagogik. 1952 erhielt er die Priesterweihe, anschließend arbeitete er bis 1968 als Leiter einer katholischen Missionsschule in Südafrika. Als Ordensmitglied der Kongregation der Mariannhiller Missionare führte Hellinger den Namen Suitbert, abgekürzt als Bert. Diesen Kurznamen behielt er auch nach seinem Ordensaustritt und der Niederlegung seines Priesteramtes 1971 bei.

Nach seiner Rückkehr aus Südafrika absolvierte Bert Hellinger eine psychoanalytische Ausbildung (1968–1972). Er stellte sich einer psychoanalytischen Lehranalyse und absolvierte zahlreiche Aus- und Weiterbildungen in verschiedenen Bereichen der Psychotherapie. Die Anerkennung seiner psychoanalytischen Ausbildung wurde ihm allerdings von der Wiener psychoanalytischen Vereinigung verweigert, nachdem er wohlwollend über den unkonventionellen und umstrittenen Analytiker und Psychologen Arthur Janov referiert hatte. Erst 1982 wurde Hellingers psychoanalytische Ausbildung von der Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse (M.A.P.) anerkannt.[1] Im selben Jahr attestierte ihm die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns KVB den Nachweis der erforderlichen Ausbildung für seine Tätigkeit als nichtärztlicher Therapeut. Die Kassenzulassung gab er später wieder zurück, da er keine Einzeltherapien anbot. Anlässlich des neuen Psychotherapeutengesetzes in Deutschland von 1999 beantragte er keine Zulassung als Psychologischer oder Ärztlicher Psychotherapeut.

Hellinger ging in die USA und absolvierte Kurse u. a. in Primärtherapie bei Arthur Janov, in Provokativer Therapie bei Frank Farrelly und in Hypnosetherapie bei Jeff Zeig, Stephen Lankton, Stephen Gilligan. Er war Lehrtherapeut für Transaktions- und Skriptanalyse.

Besondere Bedeutung für Hellinger hatten die Gruppendynamik, die therapeutische Arbeit von Leslie B. Kadis und Ruth McClendon aus USA,[2] die Familientherapie von Salvador Minuchin (geb. 1923), Jay Haley (Perverses Dreieck) und Iván Böszörményi-Nagy (1920–2007), die Skriptanalyse von Eric Berne (1910–1970) und die lösungsorientierten Ansätze des Hypnotherapeuten Milton H. Erickson (1901–1980).

Kritik an der Methode

Hellingers Methode hat etwa 2000 praktizierende Anhänger, ist aber in Fachkreisen wie in der breiteren Öffentlichkeit stark umstritten. Hellinger wird vorgeworfen, bei seinen öffentlichen Familienaufstellungen gegen zahlreiche Regeln psychotherapeutischen Arbeitens zu verstoßen, im Anschluss seine Klienten allein zu lassen und ihnen nicht zu helfen, ihre Eindrücke und oft starke emotionale Anspannung angemessen zu verarbeiten. Zudem handele es sich um keine anerkannte Form der Psychotherapie, sei zur Behandlung psychischer Störungen ungeeignet, wissenschaftlich unbelegt und berge erhebliche Risiken.[9]

Quelle der oben aufgeführten Angaben: Auszüge aus dem Wikipedia-Artikel „Bert Hellinger“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. September 2019, 16:56 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bert_Hellinger&oldid=192490249 (Abgerufen: 1. Oktober 2019, 20:50 UTC)

Auch aus katholischen Kreisen kommt erhebliche Kritik an der Methodik des ehemaligen Priesters Hellinger. Der über esoterische Methoden aufklärende Kalasantinerpater Dr. Clemens Pilar fasst in einem Informationsblatt die problematischen Seiten des Familienstellens aus psychologischer und seelsorgerlicher Sicht wie folgt zusammen [11].

- aus psychologischer Sicht:

Die Familienaufstellung nach Hellinger wird von der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) als unseriöse und unzureichende Therapie bezeichnet, denn:

  • Es werde eine esoterisch-magische Schicksalsgläubigkeit vermittelt.
  • Die Anweisungen des Leiters werden auf autoritäre Weise gegeben, ohne dass eine gründliche Lösung eines anstehenden Problems nach ausreichender Reflexion vorgeschlagen werde.
  • Die "Lösungen" sind meist rezeptartig ohne Bezug zur konkreten Person.
  • Es gibt weder eine ordnungsgemäße Diagnose des Problems, noch eine solide Überprüfung der Folgen.
  • Psychisch labilen Menschen kann durch eine Familienaufstellung erheblicher Schaden zugefügt werden. Fälle von Selbstmorden nach einer Familienaufstellung sind bezeugt.
  • Familienaufstellung nach Hellinger gilt als spiritistisches Verfahren mit schamanistischen Anklängen und ist als psychotherapeutisches Verfahren nicht geeignet.

- aus seelsorgerlicher Sicht schreibt Pilar über Hellingers Methode:

"Der ehemals katholische Theologe hat sich in seinen Äußerungen und Publikationen vom christlichen Gottesbild immer deutlicher entfernt."

  • Anstelle des persönlichen Gottes trete für Hellinger eine blinde Schicksalsmacht, der der Mensch sich fügen müsse.
  • Es gäbe letztlich keine absolute Unterscheidung zwischen Gut und Böse.
  • Den biblischen Gott lehnt Hellinger als Gott der "Gewalt" ab, genauso den Gedanken an Erlösung durch das Kreuz Jesu Christi.
  • Die Idee einer "Versöhnung" mit den Ahnen im Falle von schuldhaftem Verhalten, etwa der Eltern oder Großeltern, wird als Überheblichkeit verworfen. Nachgeborenen stünde es nicht zu, das Tun der Älteren zu beurteilen. Die Jüngeren hätten lediglich dem, was war, zuzustimmen. Nur durch diese Art der Akzeptanz des Schicksals könne der Friede wieder gefunden werden.
  • Die Lösungsansätze Hellingers sind von einem Denken genährt, das mit dem christlichen Denken und christlichem Erlösungsglauben nicht vereinbar ist.

Zur Teilname an einer Familienaufstellung nach Bert Hellinger kann nach seiner Ansicht nicht geraten werden.

In einem Fachbeitrag auf der Homepage des Bayerischen Landesjugendamtes heißt es zur Methode Hellingers u.a. [4]:

"Wie durch Zauber wirkt das Aufstellungsgeschehen auf das gesamte Familiensystem, auch wenn keiner der Angehörigen in die familiendynamischen Zusammenhänge oder in ein entsprechendes Vorgehen eingeweiht wird."

"Außerdem stillt Hellinger oft vorhandene spirituelle Bedürfnisse, unterstützt den Glauben an Magie und die Faszination, die angebliches Wissen über geheimnisvolle Zusammenhänge auslöst. Hinzu kommt, dass die Lösung von Problemen angeblich immer ganz einfach ist. Man muss sich auch nicht mit verwirrenden komplizierten Theorien auseinandersetzen, keine lang dauernde Therapie in Anspruch nehmen; die Lösung ist innerhalb einer halben Stunde zu erreichen."

"In besonders krassem Widerspruch zur Sicht der Jugendhilfe stehen Hellingers Aussagen in Bezug auf sexuellen Missbrauch, Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern. Wir wissen aus Forschung und Fallberichten, dass es sehr wohl Täter und Opfer gibt, Hellinger behauptet etwas anderes. Er sieht im sexuellen Missbrauch keine persönlich zu verantwortende Tat, sondern "den Tätern, seien es Väter, Großväter, Onkel oder Stiefväter, wurde etwas vorenthalten, oder es wird etwas nicht gewürdigt, und der Inzest ist dann ein Versuch, dieses Gefälle auszugleichen" [5]. Die Schuld ist nach Hellinger bei der Frau bzw. der Mutter zu suchen, denn sie überlässt dem Mann die Tochter [6]. Das Leid der Opfer, auch von Misshandlung und Vernachlässigung, findet keinerlei Beachtung und Würdigung."

Auch aus unserer Sicht ist das Verfahren mit dem biblischen Gottes- und Menschenbild nicht vereinbar. Sie hat spiritistische Hintergründe (vgl. auch Lit. [7]).

Literaturhinweise und andere Quellenangaben:

Bildquelle: CeStu [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

[1] Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse: Bestätigung zur Vorlage bei der kassenärztlichen Vereinigung (Archivfassung)

[2] Bert Hellinger (mit Gabriele ten Hövel): Ein langer Weg. Gespräche über Schicksal, Versöhnung und Glück, S. 73. Kösel, Köln 2005, ISBN 3-466-30694-9 - Leseprobe

[3] Bert Hellinger schildert seinen Lebensweg, auf www.hellinger.com

[4] Bert Hellingers Familienstellen, aus: ZBFS Bayerisches Landesjugendamt Mitteilungsblatt 1/2006

[5] Bert Hellinger, in: Weber, G. Hg 1998. Zweierlei Glück: Die systemische Psychotherapie Bert Hellingers. 11. Auflage Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag, S. 89

[6] ebd., S. 90

[7] Gscheidle, Baldur: Familienstellen. Artikel bei horst-koch.de

[8] Goldner, Colin (Hrsg.): Der Wille zum Schicksal. Die Heilslehre des Bert Hellinger. Ueberreuter Verlag, Wien 2003, ISBN 3-8000-3920-6.

[9] Haas, Werner: Familienstellen nach Hellinger – ein destruktiver Kult? (Skeptiker 1/2008) gwup.org (Abgerufen am 01.10.2019). Mit zahlreichen Literaturhinweisen. Auszug als pdf - Version bei familienaufstellen.org

[10] Haas, Werner: Familienstellen – Therapie oder Okkultismus? (Asanger Verlag, 2004)

[11] Pilar, P. Dr. Clemens: Stichwort Familienaufstellung nach Bert Hellinger (Informationsflyer, verfügbar als Download)

[12] Reuter, Elisabeth, Gehirn-Wäsche. Macht und Willkür in der „systemischen Psychotherapie“ nach Bert Hellinger, Berlin 2005

Über die Methoden therapeutischer Manipulation, Suggestion von Missbrauch als therapeutisches Konzept, implantierte Pseudotraumata und die verheerenden psychischen Folgen des therapeutischen Machtmissbrauchs

[13] Schuster, Udo: Familienstellen nach Hellinger. Artikel als pdf - Version bei sektenwatch.de

[14] Wikipedia (DE): Artikel Bert Hellinger

[15] www.familienaufstellen.org - Kritische Seite zur Familienaufstellung

[16] Maleachi-Kreis (Hrsg.): Gefährliche Stille - Wie die Mystik die Evangelikalen erobern will, 3. Aufl. 2013, S.  112ff (clv-Buch, als Download verfügbar)

siehe auch Netzwerk-Artikel: Familienstellen

Erstellt am: 01.10.2019 * Letzte Änderung am 02.10.2019

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