Visualisierung

Bedeutung des Begriffes: Im allgemeinen, weitgefassten Sinn meint man mit Visualisierung die Veranschaulichung abstrakter Informationen oder Zusammenhänge in bildhafter oder graphischer Form. Sprachlich nur schwer vermittelbare Sachverhalte können durch visuelle Medien (z.B. Bild, Film oder auch theatralische Darstellung) verständlicher gemacht werden. Das entsprechende englische Wort visualization bedeutet Veranschaulichung, Vergegenwärtigung; das Zeitwort visualize sth. sich etwas (im Geiste) vorstellen.

Im hier gebrauchten, speziellen Sinn bezeichnet Visualisierung eine meditative Übung, in der bestimmte Vorstellungsbilder im Geiste konzentrativ und imaginativ hervorgerufen werden. Man spricht daher auch von meditativer oder konzentrierter Visualisierung. Diese geistige Projektion weicht im Maß der Konzentration, der Detailtreue und der Intensität deutlich von den "normalen" Erinnerungs- bzw. Vorstellungsbildern des Menschen ab. Die inneren Bilder erscheinen also wie auf einem Bildschirm oder einer Kinoleinwand. Auch szenische Abläufe, wie z.B. Reisen an exotische Orte, in fantastische Welten oder in die Kindheit sollen visualisiert werden.

Formen:

Die Visualisierung geometrischer farbiger Formen, wie von Dreiecken, Pentagrammen und Gegenständen ist ein elementares Praxiselement der westlichen Magie und Hexerei.

In den Übungen der Oberstufe des Autogenen Trainings werden ebenfalls Farben, geometrische Formen, Gegenstände (z.B. brennende Kerze, Blume) und Landschaften visualisiert [1].

Im Zusammenhang mit fernöstlichen Meditationspraktiken, z.B. im Rahmen des tantrischen Buddhismus, ist die Visualisierung von Buddhas, Meditationsgottheiten und Mandalas ebenfalls eine grundlegende Übung. Die Projektion kann dabei bis zur Selbstidentifikation mit dem vorgestellten Objekt getrieben werden. In der Vollendungsstufe führt das zur Auflösung der persönlichen Ich-Vorstellung. Die Meditationsanleitungen umfassen oft Verehrungs-, Anrufungs- und Gebetsformeln [2]. Sie verleiten daher auf subtile Weise zur Übertretung des 1. Gebots (Götzendienst).

Im Buddhismus spielt die Rezitation von Mantren häufig eine unterstützende Rolle.

Im Daoismus (Taoismus) erfolgt oft eine Visualisierung der fünf Elemente und der mystischen Tiere. Die taoistische Schule des Shangqing ist besonders geprägt von den Techniken der Visualisierung. Nach der chinesischen Überlieferung ist diese Lehre in den Jahren zwischen 364 und 370 von "Göttern und Geistern" offenbart und diktiert worden. Die Anhänger glauben, sich mit Hilfe der Imaginationsmethoden auf dem Weg zur Vergöttlichung und "Kosmisierung" zu befinden, und hoffen, als mikrokosmische Wesen ein Abbild des Makrokosmos zu werden und auf diese Weise das Dao (eine Art von höchster transzendenter Wirklichkeit) zu verwirklichen - es handelt sich also um einen religiösen Weg.

In Kursen und sogar in Schulen werden meditative Visualisierungsübungen angewendet, angeblich um die Vorstellungskraft und die Fantasie zu schulen. Solche "Übungen" sind häufig verbunden mit besonderen Körperhaltungen, Atemtechniken und/oder Entspannungsmethoden. Man denke hier an das autogene Training, bei dem oft Farben, Formen und Landschaften visualisiert werden. Man kommt bei Anwendung dieser Methodiken in den Bewußtseinszustand einer Trance.

Es wird gelehrt, daß bildliche Vorstel­lungen stufenweise entwickelt werden, „bis sie die Wirk­lichkeit so sehr bestimmen, daß sie schließlich selbst die Wirklichkeit werden“[5].

Die Abgrenzung der Visualisierung zum Begriff der Imagination kann so erklärt werden: Visualisierungen sind vorwiegend willentlich gesteuerte bildhafte Vorstellungen. Andere Sinneseindrücke spielen kaum eine Rolle. Imaginationen dagegen führen zu einem vorwiegend nicht-willentlich gesteuerten Erleben in mehreren oder allen Sinnesbereichen.

Beurteilung aus christlich-biblischer Sicht

Wie bereits aus den oben aufgeführten Beispielen erhellt, handelt es sich bei den Visualisierungen um eine quasi-religiöse Praktik, denn sie führen den Anwender in relativ kurzer Zeit zur Ausbildung magischer und medialer Fähigkeiten [3, 4]. In den Religionen des Fernen Ostens dienen Visualisierungen der Kontaktaufnahme mit Gottheiten und Geistwesen. Der Mensch kommt durch den Trancezustand in Verbindung mit der geistlichen Welt und wird so zum Medium.

Die Methoden der meditativen Visualisierung sind im Widerspruch zum Wort Gottes und mit dem christlichen Glauben vollkommen unvereinbar. Es sind "durch die Hintertür" eingeführte Praktiken der Zauberei und des Götzendienstes. Sie führen nach vielfachen Erfahrungen in der biblischen Seelsorge zu einer okkulten Belastung und zur Veränderung der Persönlichkeit und sind daher als sehr gefährlich zu betrachten.

Die Bibel, 2. Mose 20, 4.5:

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist:  Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!

Quellen- und Literaturhinweise:

[1] Wikipedia: Visualisierung (Meditation)

[2] Beispiel eines Meditationstextes zur Visualisierung und Anbetung eines transzendenten buddhistischen Götzen (Avalokiteshvara)

[3] Franzke, Prof. Dr. Reinhard: Visualisierung - Hilfe durch innere Bilder? (Lichtzeichen Verlag, 1999)

[4] Handbuch Orientierung: Visualisierung

[5] Wolfgang Bühne: Die "drei Wellen des Heiligen Geistes" im Überblick

Revidierte Fassung vom 02.09.2015

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