Dr. med. Minna Popken

Minna Popken (* 29. August 1866 in Bremen; † 13. August 1939 in Zürich) war eine deutsche Ärztin. Bekannt wurde sie durch ihre Arbeit in dem von ihr gegründeten Kurhaus Ländli in der Schweiz, wo sie die medizinische mit der seelsorgerischen Betreuung verband.

Leben

Kindheit und Jugend

Minna Popken, geb. Engelbrecht, wurde am 29. August 1866 in der Hansestadt Bremen als älteste von fünf Geschwistern geboren. Ihr Vater führte einen Glasereibetrieb, in dem sie mithalf. Schon als Kind entwickelte sie die Gewohnheit, Gott unter ihrer Bettdecke kniend ihr Herz auszuschütten.

In ihrer Jugend hörte sie in einem Vortrag den Ausspruch von Lessing:

„Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: Wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: Vater, gib! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!“

Gotthold Ephraim Lessing: "Über die Wahrheit"

Dieses Zitat erregte ihren Widerspruch, so dass sie beschloss die Wahrheit zu suchen, bis sie sie gefunden hätte.[1]

Ehe und Studium

Sie heiratete am 11. September 1886 den 13 Jahre älteren Heinrich Popken.[2] Ihr erstes Kind starb nach einem Jahr und ihr zweites bei der Geburt. Danach führte eine Krankheit zur Unfruchtbarkeit. Mit 25 Jahren geriet sie so in eine Krise, dass sie sich nur langsam wieder aus ihr erholte.

Neben dem religiösen beschäftigte sie sich auch mit idealistischem und sozialistischem Gedankengut. Sie begann mit Unterstützung ihres Mannes im November 1898 das Studium der Medizin in Zürich, da dieses Studium für Frauen damals in Deutschland noch nicht möglich war. Hier kam sie auf ihrer Wahrheitssuche auch mit Theosophie und Spiritismus in Berührung.

Die zunehmende Entfremdung zwischen ihrem Mann und ihr führte schließlich im Jahr 1899 zur Scheidung.[3]

Im Jahr 1903 schloss sie ihr Studium ab und reiste nach Berlin, um dort zur Vertiefung ihrer Kenntnisse weitere Kurse bei bekannten Professoren zu besuchen. In diesen Kursen war sie die einzige Frau und fühlte sich dort nicht wie in Zürich als gleichberechtigt anerkannt. Sie verfasste eine Denkschrift zur Reformierung der Geburtshilfe, die sie aber nie veröffentlichte, da ihr von einem Professor Widerstand gegen ihre Pläne angekündigt wurde. Um in Deutschland als niedergelassene Ärztin praktizieren zu dürfen, hätte sie noch verschiedene Prüfungen ablegen müssen. Da sie schon 36 Jahre alt war, schien ihr der erforderliche Aufwand dafür als zu groß. So beschloss sie, wieder zurück in die Schweiz zu reisen.

Den Winter über zog sie sich in den Ort Biberegg zurück, um sich in der Stille mit Gebet, dem Lesen der Bibel und den Schriften der christlichen Mystikerin Madame Guyon auf ihren weiteren Lebensweg vorzubereiten. Nach ihrer eigenen Aussage war zu dieser Zeit Madame Guyon ihre Führerin, bis später der Apostel Paulus ihr zum Lehrer und Führer wurde.[4]  Später warnte sie der Prediger Otto Stockmayer davor, sich zu weit auf die Mystiker einzulassen.

(Quelle des obigen Textes: Wikipedia (DE), Eintrag Minna_Popken)

In ihrem autobiographischen Werk "Im Kampf um die Welt des Lichts" schreibt Frau Dr. Minna Popken über ihre Erfahrungen in der Mystik.

Wie viele andere tief-religiöse Menschen, man denke hier z.B. an den bekannten Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, hatte die Ärztin einen Hang zu einem verinnerlichten, mystischen Glaubensleben. Solche Menschen fühlen sich den Mystikern geistig verbunden und vertiefen sich auf schwärmerische Weise in deren Literatur.

Minna Popken schreibt in ihren Erinnerungen:

"Meiner Veranlagung und Führung gemäß neigte ich stark zu den Lehren und besonders zu den Mysterien der Katholischen Kirche, und es war gar nicht leicht, mich in dieser Auseinandersetzung zurechtzufinden. Der starke Einfluss der gut katholischen Madame Guyon spielte dabei keine geringe Rolle."

Minna las Madame Guyons Selbstbiographie und ihre Schrift 'Geistliche Ströme'. Nach Mitteilung von Mme. Guyon selbst ist der Verfasserin dieses Büchlein "aus der Feder geflossen wie diktiert" (Anm.: Mme. G. war bekannlich eines der berühmtesten Schreibmedien).

Durch die Beschäftigung mit mystischer Literatur erwachte in Minna Popken der Wunsch nach ebensolcher Erfahrung. Wie ihre Vorbilder unterstützte sie diesen Hang mit Askese, Fasten und beständigem Gebet.

Rudi Holzhauer beschreibt und erklärt in seinem Buch "Verführungsprinzipien" die darauf folgenden Erscheinungen aus der Geisterwelt (blau dargestellte Stellen sind aus M. Popkens Biographie):

"Es zeugt von Folgerichtigkeit, dass Minna Popken durch die Hingabe an die Mystik bald direkte Erfahrungen mit der Geisterwelt machen musste: »Ich vernahm  merkwürdige Geräusche, die ich mir nicht erklären konnte, und einige Male vernahm ich im Halbschlaf oder beim Erwachen auch nebelhafte Gestalten.»  - Bei der Arbeit hörte sie Seufzen und Flüstern und hatte das Gefühl, als würden ihre Kleider von unsichtbaren Händen berührt. Plötzlich wußte sie: »Hier sind 'arme Seelen', die keinen Frieden haben und keine Ruhe finden. Ich verbot nun diesen 'armen Seelen', mich je wieder zu berühren, auch sagte ich ihnen, sie dürften nicht in die Wohnstube kommen, sondern sollten in der Küche bleiben. Ich aber wollte jeden Abend für sie beten.»

Eines Abends, während sie die Bibel liest, hört sie lautes Klopfen in der Küche, als wenn mit Eisen geschlagen würde. Sie erschrickt und erinnert sich, das Gebet für die 'armen Seelen' vergessen zu haben. Schleunigst holt sie es nach, und die Ruhe kehrt wieder ein. »Das wiederholt sich jetzt alle Abende. Wenn ich es je vergaß, kam wieder das sonderbare Getön aus der Küche.»

Als sie eines Tages um der vielen Arbeit willen kaum noch an ihr Versprechen, für die Geister zu beten (!), gedacht hatte, umringten sie unsichtbare Wesenheiten mit solcher Macht, dass sie eine starke Angst befiel. Sie holte Gebetshilfe und bat den Herrn, sie von dieser Plage zu befreien und die 'armen Seelen' aus dem Hause zu vertreiben. Daraufhin verschwand der Spuk! Minna Popken hat aus dieser Erfahrung immerhin die wichtige Lehre gezogen, dass es in jedem Fall gefährlich ist, für Verstorbene zu beten. Dass es sich in solchen Fällen überhaupt nicht um Verstorbene handelt, sondern um dämonische Geister, ist ihr leider nicht bewusst geworden. Sie bekennt jedoch: »Jahrelang hat mich die Lektüre der Mystiker gefesselt, und die Berleburger Bibel ist mir bis heute lieb und wert, wiewohl ich im Laufe der Jahre unter dem hellen Licht des Evangeliums manches von den Lehren der Mystiker abziehen und weglegen konnte... Nach Jahren hat mir Bruder Otto Stockmayer, dem ich von meiner Liebe zu den Mystikern sprach, ein gutes Wort darüber gesagt: 'Ja, Sie haben recht, wir können vieles lernen von der Frömmigkeit der Mystiker, und der Umgang war gewiss fördernd für Sie, aber ich warne Sie, Schwester: Schließen Sie den Kreis nicht!»

Mir scheint (so schließt Holzhauer seinen Kommentar), hier hat Pfarrer Stockmayer "schonend zum Ausdruck bringen wollen, dass bei der Beschäftigung mit der Mystik ein Schlupfloch offenbleiben müsse, durch das sich der Sucher nach tieferer, geheimer Erkenntnis noch rechtzeitig zurückziehen könne, bevor ein 'Feuer Gottes' ihn verzehrt. Es ist allerdings stets sehr fraglich, ob eine allzu zaghafte Warnung - noch dazu unter Bestätigung des Falschen - jemals ihr Ziel erreichen kann."

Quelle: Holzhauer, Rudi: Verführungsprinzipien, unveränd. Neuauflage 2012, S. 33ff (Verlag der IABC, Wuppertal)

Soweit Rudolf Holzhauer, der ebenfalls in schwärmerische Kreise geraten war und während dieser Zeit viele notvolle Erfahrungen mit den Verführungsgeistern machen musste.

Er durfte dann aber - wie auch Minna Popken - durch Gottes Gnade aus den falschgeistigen Verstrickungen zur Wahrheit des Evangeliums und zur Freiheit Christi durchbrechen.

Die seelische Hingabe an eine mystische Frömmigkeit führt zu einer medialen Öffnung für die unsichtbare Geisterwelt, und zwar nicht zu Gott hin, sondern hin zu einer Verbindung mit der abgefallenen Geisterwelt, der Dämonenwelt des Fürsten dieser Welt (Satan), der damals wie heute alles daransetzt, die Gemeinde Gottes zu unterwandern und zu verführen.

So möchten wir hier - Christen wie Nichtchristen - deutlich vor einer Beschäftigung mit der Mystik warnen, die heute in vielerlei Verkleidungen vorkommt und auch in gläubige Kreise eindringen will. Wir tun dies mit den Worten des Herrn selbst, der seine Gemeinde für diese endzeitlichen Tage vorbereitet,

Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe! (Matth. 24, 4)

Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach. (Matth. 26, 41)

und mit dem folgenden Vers im 1. Johannesbrief (1. Joh. 4,1):

Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viel falsche Propheten ausgegangen in die Welt.

Literaturhinweise:

Holzhauer, Rudi: Verführungsprinzipien, unveränd. Neuauflage 2012 (Verlag der IABC, Wuppertal)

Bücherliste auferbauender Literatur für suchende und ehemalige Charismatiker (Stand 22.12.2007); Download bei sermon-online.de

Im Kampf um die Welt des Lichtes: Lebenserinnerungen und Bekenntnisse einer Ärztin. 6. Auflage, Furche Verlag, Berlin 1952; 1. Band ihrer Autobiographie (Neuauflage erschienen beim Severus Verlag, Hamburg 2010, ISBN 978-3-942382-39-7)

Aus dem Vorwort: " Die Welt des inneren Seins und die Welt der Erscheinungen, Ewigkeit und Zeitlichkeit, Licht und Finsternis haben von früh an um meinen Menschen gestritten. Mein Werden und Reifen unter dem Einfluß beider Welten, mein Suchen und Kämpfen um Wahrheit, der endliche Sieg der ewigen Welt und das daraus entstehende Denken, Wirken und Arbeiten - das bildet den Inhalt des Buches. Das Bekentnis meines Lebens kann vielleicht dazu dienen, Suchenden und Ringenden den Weg in die Welt der ewigen Wirklichkeit zu zeigen."

Unter dem siegenden Licht: Lebenserinnerungen und Zeugnisse. Furche Verlag, Berlin 1939; 2. Band ihrer Autobiographie

Erstellt am 28.08.2019

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