Annie Besant

(gebürtig Annie Wood; * 1. Oktober 1847 in Clapham, Surrey; † 20. September 1933 in Adyar, Madras, Britisch-Indien, heute Chennai, Tamil Nadu, Indien) war eine britische Theosophin, Frauenrechtlerin, Autorin und Politikerin.

Die Eltern von Annie Besant waren der iro-englische Arzt William Burton Persse Wood und die Irin Emily Morris; ihr Vater starb, als sie fünf Jahre alt war. Sie wurde von Ellen Marryat adoptiert und calvinistisch erzogen. Besant wandte sich jedoch recht früh der katholischen Theologie zu und studierte die Schriften von Augustinus und Ignatius von Loyola.

Im Alter von 19 Jahren lernte sie den anglikanischen Geistlichen Frank Besant, Bruder des bekannten sozialkritischen Schriftstellers Walter Besant, kennen, und wurde dessen Haushälterin. Die beiden heirateten 1867 und hatten zwei Kinder, Arthur Digby Besant und Mabel Besant-Scott. Nachdem sie Kontakt zu atheistischen Kreisen aufgenommen hatte, wurde die Ehe unglücklich und schließlich 1873 geschieden.

Besant betätigte sich fortan in der englischen Arbeiterbewegung. Im folgenden Jahr lernte sie den radikalen Freidenker und Journalisten Charles Bradlaugh kennen, wurde Mitglied der Secular Society und übernahm die Leitung der Wochenschrift National Reformer sowie verschiedener linker Presseerzeugnisse. Sie war auch die erste Studentin an der University of London, die einen Bachelor of Science (in Biologie) erwarb.

In den 1870er- und 1880er-Jahren gehörte Annie Besant verschiedenen Debattierklubs an, wie sie in dieser Zeit in London Mode waren, u. a. The Zetetical und The Dialectical Society. Sie galt als brillante Rednerin, womit sie auch Geld verdiente, und erwarb sich in atheistischen Intellektuellenzirkeln einen gewissen Ruf. Auf einer dieser Veranstaltungen lernte sie 1875 den angehenden Literaten George Bernard Shaw kennen, mit dem sie eine zweijährige Beziehung verband.

Während ihrer aktiven Zeit in London war Besant auch als Buchautorin tätig gewesen: In The Laws of Population (1877) trat sie für Geburtenkontrolle ein. 1887 schrieb sie gemeinsam mit Charles Bradlaugh das atheistische Pamphlet Why I Do Not Believe in God. („Warum ich nicht an Gott glaube“).

Am 21. Mai 1889 trat Besant in London der Theosophischen Gesellschaft (TG) bei,[1] nachdem sie das Werk von Helena Blavatsky kennengelernt und eine Rezension über deren Geheimlehre geschrieben hatte. Bald darauf wurde sie enge Mitarbeiterin von Blavatsky. In der Folgezeit übernahm sie die Herausgabe theosophischer Zeitschriften und erarbeitete sich eine gewisse Stellung innerhalb der theosophischen Bewegung. 1893 vertrat sie diese im Weltparlament der Religionen in Chicago.

Sie reiste zunächst in die USA, dann 1893 nach Indien, wo sie mehrere Jahre als erfolgreiche Rednerin durch das Land tourte. 1894/95 war sie maßgeblich an der Judge Case beteiligt, welche zur Spaltung der TG in die Theosophische Gesellschaft Adyar (Adyar-TG) einerseits und die Theosophische Gesellschaft in Amerika (TGinA) andererseits führte. Besant selbst folgte der Adyar-TG. 1898 gründete sie (zusammen mit u. a. Bhagavan Das) das Central Hindu College (CHC) in Benares, dem sie sich in den nächsten Jahren hauptsächlich widmete. Für das CHC entwarf sie 1901 den fortlaufenden Text einer Einführung in den Hinduismus, die reformhinduistische und theosophische Züge trägt und 1903 veröffentlicht wurde. Das Central Hindu College wurde 1916 Teil der Banaras Hindu University, die sich damals in ihrer Gründungsphase befand.

Besant hörte 1902 durch Francesca Arundale in London von der freimaurerischen Großloge Le Droit Humain, die 1893 von Georges Martin und Maria Deraismes gegründet worden war und auch Frauen als Mitglieder akzeptierte. In Paris wurde Besant in die ersten drei Grade aufgenommen und war hauptverantwortlich für die in London begründete erste englische Freimaurerloge des Droit Humain.

1907 wurde Besant nach dem Tod von Henry Steel Olcott Präsidentin der Adyar-TG. 1909 glaubte ihr Mitarbeiter Charles W. Leadbeater in Jiddu Krishnamurti eine theosophisch-hinduistische Art von „Messias“ zu erkennen. Vor allem mit Personal und Studenten des CHC in Benares wurde 1911 zuerst der Order of the Rising Sun und dann der Order of the Star of the East gegründet. Der einsetzende Krishnamurti-Kult brachte ihr zunehmend Kritik ein und führte zu Konflikten innerhalb der Adyar-TG und des CHC. 1912/13 spaltete sich der größte Teil der deutschen Theosophen unter Rudolf Steiner nach jahrelanger Vorbereitung von der von ihr geführten Theosophischen Gesellschaft Adyar ab, um ausschließlich Steiner und seinen Lehren zu folgen.

Leadbeater und Besant berichteten in ihren angeblich hellseherisch angestellten Untersuchungen über vergangene Leben von Mitglieder der Adyar-TG auch vom Werdegang Besants zum Menschen: In ihrem vorangegangenen Leben wäre Besant ein Affe gewesen. Als Äffin habe sie unter Lebensgefahr den Buddha gerettet, als dessen Familie von Wilden attackiert wurde. Diese Tat habe zu kosmischen Reaktionen geführt, die den Evolutionssprung der Besant-Äffin zum Homo sapiens in der nächsten „Fleischwerdung“ bewirkten.[2]

Nach der Auflösung des „Order of the Star of the East“ 1929 durch Jiddu Krishnamurti verlor die Adyar-TG in Indien deutlich an Boden. Besant blieb deren Präsidentin bis zu ihrem Tod am 20. September 1933.

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Bewertung aus biblischer Sicht

Im "Handbuch Orientierung" charakterisiert der Theologe Lothar Gassmann die theosophischen Lehren Blavatskys folgendermaßen:

"Blavatsky und ihre Nachfolger(innen) verbreiten in ihren Büchern ein buntes Gemisch aus fernöstlichen Lehren (v. a. Buddhismus und Brahmanismus), gnostischen, kabbalistischen und sufistischen Systemen, westlichem Okkultismus (Mediumismus, Automatisches Schreiben, Hellsehen, Astrologie u.a.) sowie pseudowissenschaftlichen Spekulationen (Mesmerismus, Atlantis u.a.), verbunden mit einer scharfen Ablehnung oder Umdeutung des biblischen Christentums. Blavatsky betrachtet Gott als kosmisches Urprinzip (Sanskrit: Parabrahma) oder Muttersubstanz (Mulaprakiti), die sich emanativ in periodischen Zyklen als Welt entfaltet. Der Abstieg des Geistes zur Materie und der Wiederaufstieg zum Göttlichen erfolgt in sieben Stufen der Welt- und Menschheitsentwicklung (menschliche "Wurzelrassen" sind z.B. Hyperboräer, Lemurier, Atlantier und Arier) mit Hilfe von Karma und Reinkarnation. "Christus" gilt als ein "Weltenlehrer" (Avatar), ein Abgesandter der Planetengeister, der in "Jesus" und die Heilsgestalten anderer Religionen hinabgestiegen ist, um die Menschheit evolutionär zur Erleuchtung zu führen und ihr das "goldene Zeitalter" zu bringen (New Age)..."

Solche Ansichten lassen sich mit dem christlichen Glauben nicht vereinbaren.

[1] Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens (= Esoterik. Bd. 12179). Original-Ausgabe; sowie 3. aktualisierte Auflage, beide Goldmann, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 104.

[2] James Webb: Die Flucht vor der Vernunft. Politik, Kultur und Okkultismus im 19. Jahrhundert. Marix Verlag, Wiesbaden 2009, S. 162 f.

Lothar Gassmann

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erschienen 1988 im Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell

Erstellt am 29.08.2019 * Update vom 30.08.2019

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