Mary Baker-Eddy

Mary Baker Eddy (16. Juli 1821 – 3. Dezember 1910) war eine amerikanische Religionsführerin und Autorin, die 1879 in Neuengland die Church of Christ, Scientist gründete. 1908 begründete sie außerdem The Christian Science Monitor, eine säkulare Zeitung, sowie drei religiöse Zeitschriften: The Christian Science Sentinel, The Christian Science Journal und The Herald of Christian Science.

Sie schrieb zahlreiche Bücher und Artikel, von denen das Grundlagenwerk Science and Health with Key to the Scriptures („Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift“), das sich bis zum Jahr 2001 über neun Millionen Mal verkaufte, am bekanntesten ist. In diesem „Lehrbuch“ beschreibt Baker Eddy ihr metaphysisches System geistigen Heilens mit dem Schwerpunkt Gesundheit, jedoch mit der Besonderheit, daß von diesem System her die ganze Bibel ausgelegt und bewertet wird.

Die Mitglieder der Ersten Kirche Christi, Wissenschaftler betrachten Eddy als „Entdeckerin“ der Christlichen Wissenschaft, und ihre Anhänger werden daher auch als Christliche Wissenschaftler oder Studenten der Christlichen Wissenschaft bezeichnet. Die Sekte wird manchmal informell als Christian Science Church bezeichnet.

Die erste „Gemeinde“ dieser Richtung entstand 1879 in Boston; die erste Etablierung der Christlichen Wissenschaft in Deutschland erfolgte 1896 in Dresden, danach erfolgten Gründungen 1898 in Hannover und 1899 in Berlin. Weltweit existieren ca. 2200 Gemeinschaften in ca. 80 Staaten; in Deutschland existieren 63 Zweigkirchen und Vereinigungen [nach AG Welt, EZW]. In den Versammlungen finden Vorlesungen der Bibel sowie der Werke von Eddy statt. Hierbei werden die wöchentlich betrachteten Inhalte weltweit von der Mutter“kirche“ vorgegeben. Man kennt auch gemeinsames Singen und „Beten“, wobei es sich dabei eher um Meditationen handelt.

Leben

Mary Baker Eddy wuchs als jüngstes von sechs Kindern in einem tief religiösen Elternhaus auf. Sie trat 17-jährig den Kongregationalisten bei, die anstelle einer Amtskirche die christliche Einzelgemeinde (congregation) befürworteten und das in der Bibel festgehaltene Wort Gottes als höchste Norm anerkennen. Sie rebellierte allerdings gegen die Prädestinationslehre ihrer Kirche. Seit ihrer Kindheit war sie gesundheitlich schwach und entwickelte früh ein Interesse an den Heilungsberichten der Bibel.

1843 heiratete sie George Washington Glover. Er starb etwa ein Jahr später, kurz vor der Geburt ihres Sohnes George Washington Glover, Jr., den sie mit vier Jahren aufgrund prekärer Lebensumstände weggab und erst nach 31 Jahren wiedersah [1]. 1853 heiratete sie Daniel Patterson.

Verstrickung in den Spiritismus

 

Schon als junges Mädchen litt Mary Baker Eddy an verschiedenen Gebrechen und kam diesbezüglich in Kontakt mit dem Geistheiler Phineas Parkhurst Quimby. Von ihmwar bekannt, daß er vom Mesmerismus (Animalischer Magnetismus) beeinflußt war und okkulte mentale und telepathische Methoden (Hypnosetechniken) einsetzte. Es ist davon auszugehen, daß sie viel von Quimby gelernt und übernommen hat.

 

Eddy trennte sich von ihrem zweiten Ehemann Daniel Patterson, woraufhin sie vier Jahre lang bei verschiedenen Familien in Lynn, Amesbury und anderswo unterkam.

 

Frank Podmore schrieb über diese Zeit: „Aber sie war nie in der Lage, lange bei einer Familie zu bleiben. Sie stritt sich nacheinander mit allen ihren Gastgeberinnen, und ihr Weggang aus dem Haus wurde bei zwei oder drei Gelegenheiten durch eine gewalttätige Szene eingeläutet. Ihre Freunde in diesen Jahren waren im Allgemeinen Spiritisten; sie scheint sich selbst als Spiritistin bezeichnet zu haben und an Séancen teilgenommen zu haben. Sie war gelegentlich in Trance und hatte ‚Geisteingebungen‘ von ihrem verstorbenen Bruder Albert erhalten. Ihre erste Anzeige als Heilerin erschien 1868 in der Spiritualistenzeitung The Banner of Light. Während dieser Jahre trug sie eine Kopie eines Manuskripts von Quimby mit sich herum, das eine Zusammenfassung seiner Philosophie enthielt. Einigen ihrer Schüler erlaubte sie, dieses Manuskript zu kopieren“ [75].

 

Nachdem sie bekannt geworden war, tauchten Berichte auf, daß Baker-Eddy eine Zeit lang ein Medium in Boston war [76]. Zu der Zeit, als sie dort ein Medium gewesen sein soll, lebte sie in einer gewissen Entfernung von der Stadt. Laut Gill kannte Baker-Eddy Spiritisten und nahm an einigen ihrer Aktivitäten teil, war aber nie eine überzeugte Anhängerin [78]. Zum Beispiel besuchte sie 1864 ihre Freundin Sarah Crosby, die an Spiritismus glaubte. Laut Sibyl Wilbur versuchte Eddy, Crosby die Torheit des Spiritimus zu zeigen, indem sie vorgab, Eddys toten Bruder Albert zu channeln und Briefe zu schreiben, die sie ihm zuschrieb [79].

Der Biograf Hugh Evelyn Wortham kommentierte diese Täuschung mit den Worten: „Mrs. Eddys Anhänger erklären das Ganze als eine Gefälligkeit ihrerseits, um Mrs. Crosby von ihrem leichtgläubigen Vetrauen an den Spiritismus zu heilen“ [80]. Martin Gardner hat dem jedoch widersprochen und vertritt die Ansicht, Eddy habe als spiritistisches Medium gearbeitet und sei von den Botschaften überzeugt gewesen. Gardner zufolge „bekehrte“ Eddys Medialität Crosby zum Spiritismus [81].

Quellen

Seite „Mary Baker Eddy“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie.

Wikipedia contributors. „Mary Baker Eddy“. Wikipedia, The Free Encyclopedia (englischsprachig)

Informationsflyer AG 1010 „Christliche Wissenschaft“ der Arbeitsgemeinschaft für Weltanschauungsfragen („AG Welt“) im pdf-Format.

Einzelnachweise

Science and Health, With Key to the Scriptures (im Project Gutenberg)

Utsch, Michael: Christliche Wissenschaft. Eintrag im Lexikon der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW Berlin). Abgerufen: 12.09.22

Weblinks und Verweise

Übersicht der kritischen Literatur (bei: Linkdatenbank Religio)

Christian Science is a dangerous Cult (Archivfassung im Web Archive)

Sieben Sekten – eine Warnung für evangelische Christen. 29. Aufl., Neubearb. 1977, S. 29-34; aus der Reihe „Aktuelle Fragen – Band 22“. Verlag und Schriftenmission der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland, Wuppertal-Elberfeld (pdf-Download)

Fincke, Andreas: Christliche Wissenschaft, in: Harald Baer et al. (Hg.), Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen, Freiburg i. Br. 2005, 215-219

Hutten, Kurt: Seher, Grübler, Enthusiasten. Das Buch der traditionellen Sekten und religiösen Sonderbewegungen, S. 382-395 (Quell Verlag Stuttgart, 13. Aufl. 1984) – ISBN 3-7918-2130-X

Schneider, Thomas: Christian Science macht bundesweit mobil. Artikel vom 4. April 2015 bei „AG Welt“ (mit kurzgefaßter Beschreibung der Sonderlehren)

Eingestellt am 18. September 2022

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