Kolosser 1, 3-12

Danksagung und Fürbitte

Vers 3:

Wir danken Gott und dem Vater unsers HERRN Jesu Christi und beten allezeit für euch. 

Kolosserbrief (Codex Harleianus, 12. Jh.)

Betrachtung von Prof. Gottfried Thomasius, Univ.-Prediger in Erlangen

Diese Eingangsworte lassen uns einen Blick in die Gemütsverfassung des Apostels tun. Er schreibt von Rom aus, wo er um des Evangeliums willen im Gefängnis lag, zwar nicht gerade im strengsten Gewahrsam, aber doch unter vielen Trübsalen und fern von dem Schauplatz seiner bisherigen, großartigen Wirksamkeit. Nur ein paar treue Leidensgenossen teilten seinen Kerker. Was tut er nun in dieser stillen, trüben Einsamkeit — Er, dessen ganzes Leben vordem lauter Tat und Arbeit gewesen ist? Was er jetzt tut — ist nichts anderes als Beten. Gebet ist jetzt das Geschäft seines Lebens, so sehen wir's aus dem Anfang der drei Briefe, die er aus seiner Gefangenschaft heraus geschrieben hat (vergl. Eph. 1; Phil. 1, 3). Und der Inhalt seines Gebetes ist Dank und Fürbitte für die Gemeinden. Mit dem Dank hebt er an: „Wir danken Gott allezeit für euch", heißt es in den drei Briefen. Man sollte eher denken, sein Mund würde von Klagen und Trauern überfließen, zwar nicht über sein eigenes Leid — denn dazu ist der Apostel zu groß, aber doch von Klagen darüber, daß er nun stille sitzen muß, statt das Werk des Evangeliums treiben zu dürfen. Dennoch ist das Erste, was wir aus seinem Munde hören, fröhlicher Dank gegen Gott. Das kommt daher, daß seines Herzens höchstes Gut und innige Freude das Reich Gottes ist, dieses Reich, in dem er selbst mit seinem persönlichen Leben wurzelt, dessen Herold in der Heidenwelt sein zu dürfen, er für eine sonderliche Gnade achtet, und dessen Welt und Zeit und Ewigkeit umfassende Herrlichkeit vor seinen Augen steht. Wo er daher vom Gedeihen desselben, vom Bestand und Wachstum der Christengemeinden in der Gottesgemeinschaft hört, sei es in den durch ihn selbst gepflanzten oder von Anderen gegründeten, da fällt es wie ein Lichtstrahl in die Nacht seines Kerkers und ist es ihm nicht anders, als widerführe ihm persönlich die größte Gnade, da vergißt er alles eigene Leid, und die Freude darüber wird immer zugleich zum Dank gegen Gott, der durch Christum jenes Gedeihen schafft. So ist des Apostels ganzes Leben, dieses durch so viel Arbeit, Kampf und Anfechtung hindurchgehende Leben, ein fortwährendes Danklied. Mit stiller Bewunderung sieht man's an. Dieser Dank geht aber immer sogleich in Fürbitte über: „wir beten allezeit für euch". Denn er weiß sehr wohl, daß in der Gemeinde, an die er schreibt, doch nur erst der Grund gelegt ist; sie bedarf sowohl der Bewahrung nach Außen, als des stetigen Wachstums nach Innen; und beides kann nur aus derselben Quelle kommen, aus welcher auch der Anfang hergeflossen ist. Deshalb die stete Fürbitte des Apostels; mit ihr trägt und stärkt er die Gemeinde — Hier haben wir also das Vorbild einer echt pastoralen Gesinnung, den Einblick in ein apostolisches Hirtenherz. Wie viel an Mahnung und Beschämung liegt darin für die Amtsgenossen! — Die Pflicht treuer Seelsorger, ihre Gemeinden auf dankendem und betenden Herzen zu tragen; aber die Pflicht der Fürbitte ist eine ganz allgemeine, sie gilt auch der Gemeinde. — Schon etwas ferner, aber doch noch im Text liegt der Gedanke: die Freude über die Gnadenerweisungen Gottes an den Brüdern, welche das eigene Leid überwinden.



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